Tod im Dessauer Polizeirevier: Justiz gerät immer mehr in Bedrängnis

Ich recherchiere seit 2011 im Fall Oury Jalloh. Tausende Seiten Ermittlungsakten habe ich gelesen, Gutachten studiert, mit Sachverständigen, Feuerwehrleuten und externen Brandermittlern gesprochen. Dabei wurden mir auch Akten zu weiteren Todesfällen im Polizeirevier Dessau zugespielt. Schwarz auf weiß ist in den Akten belegt, wie Polizisten Beweismittel wie am Fließband verschwinden ließen.  
von Susan Bonath
Hintergrund: 2005 verbrennt der Asylbewerber Oury Jalloh gefesselt im Polizeirevier Dessau. Er ist der dritte Inhaftierte in Folge, der dort im oder kurz nach dem Gewahrsam stirbt. Viele Indizien sprechen für Mord. Infrage kommen nur Polizeibeamte. Davon aber will die Justiz auf Landes- und Bundesebene nichts wissen.
Eine Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen-Anhalt in Naumburg hatte am 16. August für mediale Aufregung gesorgt. Nach zwölfeinhalb Jahren Ermittlungen ins Leere hatte sie den Fall Oury Jalloh aus Dessau abgezogen. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt bereits seit Juni. Der 36-jährige Asylbewerber verbrannte am 7. Januar 2005 im Dessauer Polizeirevier. Jalloh war an Händen und Füßen gefesselt. Die einzigen Brandlasten in der 4,50 mal 2,35 Meter kleinen, bis zur 2,60 Meter hohen Decke gefliesten Schlichtzelle im Keller waren eine feuerfest umhüllte Matratze sowie der leicht bekleidete Körper selbst. Tatortfotos zeigen: Das Feuer wütete binnen 20 Minuten so stark, dass der Leichnam bis auf die unteren Hautschichten verkohlte. Von der Unterlage blieb weitgehend nur Schutt übrig.
Intransparente „Offensive“
Hintergrund ist ein neuerlicher Brandversuch. Vor einem Jahr hatte der Dessauer Staatsanwalt Olaf Braun dazu Medienvertreter nach Schmiedeberg im Erzgebirge eingeladen. Braun habe Transparenz herstellen wollen, verkündete er damals. Zuvor war die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau massiv unter Beschuss geraten. Sachverständige hatten die von Polizei und Justiz postulierte Selbstmordhypothese angezweifelt. Man wolle nun ganz von vorn anfangen, hatte Braun die ungewöhnliche Offensive erklärt.
Doch ein Jahr lang passierte nichts. Ergebnisse, die nach sechs bis acht Wochen veröffentlicht werden sollten, hielt die Staatsanwaltschaft zurück. Journalisten bissen auf Granit. Gegenüber der Autorin hieß es stets auf Nachfragen, dass weder Resultate vorlägen noch feststehe, wann diese veröffentlicht werden könnten – auch dann noch, als die Ermittlungen schon in Halle anhängig waren.
Auch andere Behörden zeigten sich gegenüber der Autorin genervt. Das Justizministerium Sachsen-Anhalt, dem die Staatsanwaltschaft untersteht, ließ ausrichten, es gebe keinen Grund einzugreifen. Die Bundesanwaltschaft winkte auf Nachfrage ab: Der Fall sei Ländersache. Ebenso hielt es das SPD-geführte Bundesjustizministerium. Und Brandexperte und Versuchsleiter Kurt Zollinger räumte ein, er habe von der Staatsanwaltschaft einen Maulkorb erhalten.

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